Fronleichnamsgedichte

Gedichte zu Fronleichnam.

Übersicht

Fronleichnam

Autor: Franz Binhack

Mit Gesang und gold’nen Fahnen
Über Blumen, unter Bäumen
Ziehen Knaben, holde Mädchen
Rosen auf die Erde streuend.
Und mit Kerzen und Standarten
Folgen betend Männerschaaren,
Fremde Pilger, Ordensbrüder;
Auf die frommen Sängerchöre
Schallen Pauken und Trompeten;
Und in süßen Weihrauchwolken
Mit Trabanten und Leviten
Unter goldgesticktem Throne
Geht das heil’ge Sakrament.

Andachtsvoll wirft sich die Menge
Auf die Erd’ zu beiden Seiten,
Schlägt die Brust, erhebt sich wieder.
Sieht mit Staunen all die Ritter
Mit den Sternen, mit den Degen
Und den goldgezierten Kleidern;
Sieht verwundert ernste Männer,
Die Gewänder hell in Farben
Reichend auf die Füße tragen.
Mächtig die Geschütze donnern,
Zum Altare reich in Blülen
Wallt der Priester unter Psalmen
Setzend hin das Sakrament.

Rings umwogt das Volk unzählig
Drängend wie des Meeres Wogen;
Aber endlich ruht es lauschend
Auf Gebet und Jubelsänge;
Nur die ungeduldigen Rosse
Stampfen mit dem Huf und wiehern.
Aber, sieh, es schimmert plötzlich
Die erhob‘ne Goldmonstranze,
Und vom lichten Blitz getroffen
Stürzt das Volk auf seine Knie.
Dann vom Neuen wallt es wieder
Zwischen grünen Blütenbäumen
Singend Lob dem Sakrament.

Prozession an Fronleichnam
Prozession an Fronleichnam
Bild von Darius Lebok auf Pixabay

Fronleichnam

Autor: Hugo von Hofmannsthal

Von Glockenschall, von Weihrauchduft umflossen,
Durchwogt die Straßen festliches Gepränge
Und lockt ringsum ein froh bewegt Gedränge
An alle Fenster, – deines bleibt geschlossen.

So hab auch ich der Träume bunte Menge,
Der Seele Inhalt, vor dir ausgegossen:
Du merktests kaum, da schwieg ich scheu-verdrossen,
Und leis verweht der Wind die leisen Klänge.

Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden,
Und leer und öde liegt die Straße wieder;
Nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden,

Da du ersehnest die verschmähten Lieder:
Heut tönt dir, unbegehrt, vielstimmiger Reigen,
Wenn einst du sein begehrst, wird er dir schweigen.

Fronleichnamsprozession
Fronleichnamsprozession
Bild von Lothar Spurzem, CC BY-SA 2.0 DE,
via Wikimedia Commons

Fronleichnamsprozession

Autor: Georg Heym

O weites Land des Sommers und der Winde,
Der reinen Wolken, die dem Wind sich bieten.
Wo goldener Weizen reift und die Gebinde
Des gelben Roggens trocknen in den Mieten.

Die Erde dämmert von den Düften allen,
Von grünen Winden und des Mohnes Farben,
Des schwere Köpfe auf den Stielen fallen
Und weithin brennen aus den hohen Garben.

Des Feldwegs Brücke steigt im halben Bogen,
Wo helle Wellen weiße Kiesel feuchten.
Die Wassergräser werden fortgezogen,
Die in der Sonne aus dem Bache leuchten.

Die Brücke schwankt herauf die erste Fahne.
Sie flammt von Gold und Rot. Die Seidenquasten
Zu beiden Seiten halten Kastellane
Im alten Chorrock, dem von Staub verblaßten.

Man hört Gesang. Die jungen Priester kommen.
Barhäuptig gehen sie vor den Prälaten.
Zu Flöten schallt der Meßgesang. Die frommen
Und alten Lieder wandern durch die Saaten.

In weißen Kleidchen kommen Kinder singend.
Sie tragen kleine Kränze in den Haaren.
Und Knaben, runde Weihrauchkessel schwingend,
Im Spitzenrock und roten Festtalaren.

Die Kirchenbilder kommen auf Altären.
Mariens Wunden brennen hell im Licht.
Und Christus naht, von Blumen bunt, die wehren
Die Sonne von dem gelben Holzgesicht.

Im Baldachine glänzt des Bischofs Krone.
Er schreitet singend mit dem heiligen Schrein.
Der hohe Stimmenschall der Diakone
Fliegt weit hinaus durch Land und Felderreih’n.

Der Truhen Glanz weht um die alte Tracht.
Die Kessel dampfen, drin die Kräuter kohlen.
Sie ziehen durch der weiten Felder Pracht,
Und matter glänzen die vergilbten Stolen.

Der Zug wird kleiner. Der Gesang verhallt.
Sie ziehn dahin, dem grünen Wald entgegen.
Er tut sich auf. Der Glanz verzieht im Wald,
Wo goldne Stille träumt auf dunklen Wegen.

Der Mittag kommt. Es schläft das weite Land,
Die tiefen Wege, wo die Schwalbe schweift,
Und eine Mühle steht am Himmelsrand,
Die ewig nach den weißen Wolken greift.

Monstranz – Zum Guten Hirten, Berlin-Friedrichsfelde
Monstranz – Zum Guten Hirten, Berlin-Friedrichsfelde
Foto von Angela Monika Arnold
CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons