Gedichte zu Pfingsten

Pfingstgedichte, Verse, Gedanken und Gedichte zu Pfingsten, Sammlung von schönen Pfingstgedichten.

Übersicht


Pfingsten – Heiliger Geist, Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Am heiligen Pfingstfest

Autor: Max von Schenkendorf

Du bist nicht ganz von uns geschieden,
Du nimmst dich unser ewig an,
Dein großes Herz ist nicht zufrieden
Mit allem, was es schon getan.

Du hast den Tröster uns gesendet,
Den scharfen, reinen, klaren Geist,
Der Licht und Trost und Wahrheit spendet,
Und deine Zukunft uns verheißt.

O, jede Seele sei ihm offen,
Dem werten, gottgesandten Freund,
Er stärke unser liebend Hoffen,
Bis der Geliebte selbst erscheint.

Heiliger Geist in Gestalt einer Taube
Heiliger Geist in Gestalt einer Taube
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Pfingsten

Autor: Wilhelm Engelhardt

Das schöne Pfingsten zieht herein
Im lieben, gold’nen Sonnenschein
Mit Blumenduft und Singen!
Es jubelt fröhlich nah und fern:
„Gelobet sei der Geist des Herrn,
Der alles ließ gelingen!“

Das schöne Pfingsten zieht herein!
O Herz, auch du sollst glücklich sein
In diesen Freudentagen!
Auch dir soll durch des Geistes Kraft,
Der neues Leben in dir schafft,
Ein Gnadenstündlein schlagen!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Kein Menschenkind steht nun allein,
Vereinsamt und verlassen.
Der Geist, der Wohnung bei ihm macht,
Der seinen Lebensgang bewacht,
Will liebend es umfassen.

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Nun sind wir alle, groß und klein,
Befreit von Sündenschmerzen!
Der Geist des Friedens leuchtet mild,
Verklärend uns in Christi Bild,
In den erlösten Herzen!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Ach, stelle deine Zweifel ein
Und stärke dein Vertrauen!
In jeder Not, in jedem Strauß
Hilft dir der Geist des Glaubens aus
Zum siegesfrohen Schauen!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Nun gehe in dein Kämmerlein
Und bete still verborgen!
Der Geist, der dir zur Seite steht
Und mit dir zu dem Vater fleht,
Macht los dich aller Sorgen!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
O, öffne deinen Herzensschrein,
Den Tröster zu empfangen!
Er nahet dir zu jeder Zeit,
Enthebet dich der Traurigkeit
Und stillet dein Verlangen!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Nun labe dich am Gnadenwein,
Den Gottes Geist dir spendet!
Er gibt zu deiner Wanderschaft
Stets frischen Mut und neue Kraft,
Bis deine Wallfahrt endet!

Das schöne Pfingsten zieht herein!
Es schwindet deine Seelenpein,
Du sollst nicht unterliegen.
Du wirst, vom Geist des Herrn geweiht,
Im heilig-ernsten Glaubensstreit
Recht kämpfen, herrlich siegen!

Das schöne Pfingsten zieht herein
In Edens diamant’nem Schein,
Wo unsre Kronen winken.
O, hochgelobter Geist der Macht,
Laß uns dereinst in Himmelspracht
Beseligt niedersinken!

Blüte einer Pfingsrose
Blüte einer Pfingsrose
Bild von Annette Meyer auf Pixabay

Heiliger Geist kommt als Taube vom Himmel
Heiliger Geist kommt als Taube vom Himmel
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Der Nachtigall Pfingstgesang

Autor: Friedrich Rückert

Zu Pfingsten sang die Nachtigall
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird’sche Mal der Geist
des Herrn ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger groß und klein
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung’ am Baum
Kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum
als sei’s voll süßen Weines.

Oh, Ihr Apostel gehet aus
Und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau’n geschrieben,
dass er uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
Und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Singende Nachtigall sitzt auf einem Ast
Singende Nachtigall sitzt auf einem Ast
Bild von wal_172619 auf Pixabay

Pfingstbestellung

Autor: Joachim Ringelnatz

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt –
Pfingstochse meinetwegen –
Dem Honorar entgegen.

Vase mit Pfingstrosen
Vase mit Pfingstrosen
Bild von Édouard Manet
Public domain, via Wikimedia Commons

Pfingsten, das liebliche Fest

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen;
es grünten und blühten Feld und Wald;
auf Hügeln und Höhn, in Büschen und Hecken.

Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel;
Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen.
Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde.

Blumenwiese zu Pfingsten
Blumenwiese zu Pfingsten
Bild von photosforyou auf Pixabay

Pfingsten

Autor: Ludwig Eichrodt

Der kühle Morgen ist erwacht,
Die Sonne kämpft die Nebelschlacht,
Und siegend als ein freudger Held
Tritt sie ins alte Himmelszelt.

Vor Liebchens Fenster steh ich schon,
Sie ist wohlauf und kennt den Ton,
Ich singe, was ihr klinget süß –
Da hast du tausend Morgengrüß!

Wir wollen über die Berge gehn,
Wir wollen zusammen den Frühling sehn!
Horch, wie es froh vom Hügel schallt,
Es weht so frisch vom dunklen Wald.

Wohl ist er warm, dein würzger Mund,
O komm herab, ich küß ihn wund!
Hier unten ist so kühl und kalt,
Es weht so frisch vom dunklen Wald.

Du schaust umher so klar und schön –
Wie dir die Locken zu Antlitz stehn!
Du Augentrost, du Rosenblut,
Du treue Seele so lieb so gut!

Jetzt fliegest du mir in den Arm,
O Mädchen, du bist so süß und warm!
Und küßt die Sonne mit jedem Strahl,
O laß dich küssen millionenmal!

O blicke mich an, so innig froh,
Und küsse mich wieder, und wieder so!
O sage, was ist die schöne Welt,
Wenn sie nicht Liebe zusammenhält?

Verliebtes Paar im Park
Verliebtes Paar im Park
Bild von 👀 Mabel Amber, who will one day auf Pixabay

Pfingsten

Autorin: Anna Esser

 

Es läuten die Glocken das Pfingstfest ein,
Nun schmücken mit Kränzen sich Felder und Hain,
Es flicht sich die Ähre in’s goldene Haar,
Des Mohns rote Blüte, die Kornblume klar.

In rosigem Prangen der Dornbusch erblüht,
In lodernden Gluten die Nelke entsprüht,
Still schmückt sich die Lilie mit Atlasweiß,
Mit silbernen Dolden das Fliederreis.

Es rauschet der Wälder gewaltiger Chor,
Es duften die Felder Weihrauch empor,
Und jubelnder Hymnen flutender Schall, —
Ein Friedensklang, — wogt er durch’s feiernde All.

Ob Täler und Höhen, auf üppiger Flur
Des schaffenden Geistes segnende Spur,
Im sprossenden Drange sein Walten webt,
Aus blühendem Leben sein Hauch entschwebt.

O Geist, du der Zweien entstuthender Quell[1],
So schickst du von neuem die segnende Well[2];
Die Fluren, sie schlürfen verlangend sie auf, —
Du lenkst auch zur Menschheit des Gnadenstroms Lauf.

Doch wehe, sie raffen nur irdischen Tand,
Sie jagen und schaffen mit gieriger Hand.
Sie bieten Jehova hochmütigen Spott
Und lachen und höhnen: „Wer ist dieser Gott?“

O Mächt’ger! Dein Werde, ach, send’ es auf’s neu
Herab deiner Erde zur Neugeburt Weih’,
Und öffne die Herzen weit, weit deiner Macht,
Auf dass sie erstehen aus sündiger Nacht.

Ach, wie einst dein Brausen den Völkern erscholl,
Deiner Fittige Rauschen das Weltall durchquoll,
So zieh’ auf den Flügeln der Lieb’ bei uns ein
Und lass uns in Frieden ein Tempel dir sein!

[1]entstuthender Quell → veraltete poetische Formulierung für einen Ursprung oder eine Quelle, die aus etwas hervorgeht. Hier beschreibt sie den Heiligen Geist als die Kraft, die aus Gottvater und Sohn hervorgeht.

[2]Segnende Well → Die „segnende Welle“ ist ein poetisches Bild in geistlicher Literatur, das Gottes Gnade und Segen metaphorisch als wohlwollende Flut darstellt.

Klatschmohn in einem Gerstenfeld
Klatschmohn in einem Gerstenfeld
Bild von congerdesign auf Pixabay
Die leuchtend roten Blüten verwandeln viele Wiesen und Wegränder in ein echtes Farbenmeer.

Orientalischer Riesenmohn
Orientalischer Riesenmohn
Foto: © Winfried Seiler
Ein besonderes Merkmal dieser beliebten Gartenstaude ist, dass sie nach der Blüte im Frühsommer komplett ihre Blätter einzieht (Sommerpause) und erst im Herbst wieder frisches Grün austreibt.

Pfingsten

Autor: Emanuel Geibel

Das Fest der Pfingsten kommt im Hall der Glocken,
Da jauchzt in Frühlingsschauern die Natur;
Auf jedem Strauch des Waldes und der Flur
Schwebt eine Ros’ als Flamme mit Frohlocken.

O Geist, der einst in goldnen Feuerflocken
Aufs Haupt der Jünger brausend niederfuhr,
Von deinem Reichtum einen Funken nur,
Hernieder send’ ihn auf des Sängers Locken!

Ich weiß es wohl, nicht würdig bin ich dein;
Doch hast du nie die Tugend ja gemessen,
Der Glaube zieht, die Sehnsucht dich allein.

Der Armen hast du nimmermehr vergessen,
Du kehrtest in der Fischer Hütten ein,
Und an der Sünder Tisch bist du gesessen.

Rosa Pfingstrosen
Rosa Pfingstrosen
Bild von Ray_Shrewsberry auf Pixabay

Pfingstfeier

Autor: Martin Greif

Am liebsten vor den Toren
Bring ich mein Pfingsten zu,
In ein Gefild verloren
Voll sommerlicher Ruh’.
Wenn ferne Glocken spielen
Und alles um mich schweigt,
Da mein’ ich wohl zu fühlen
Den Geist, der niedersteigt.

Wanderweg durch die Rapsfelder
Wanderweg durch die Rapsfelder
Bild von photosforyou auf Pixabay

Pfingstgesang

Autor: Ludwig Auerbach

Tag der Pfingsten! Glockenklang
Schallt aus allen Tälern wider.
Hoch vom grünen Bergeshang
Jubeln Wand’rer frohe Lieder,

Glühend ruht dein bräutlich Licht
Ausgegossen auf den Fluren –
Zeigt der Schöpfung Angesicht
Deines Wandels Flammenspuren.

Funkelnd in des Lichte Kuss
Rauscht der Strom entlang den Borden,
Wo der Schönheit Genius
Duft’ger Blumenreiz geworden.

Willst du nicht in dieser Pracht
Aller Welt den Geist verkünden,
Der da hieß in Geistesnacht
Sich den Geistestag entzünden.

Der in Flammen niederfuhr,
Seine Jünger sich zu küren,
Auf des Geistes Feuerspur
Uns zum Heil zurückzuführen?

Ströme nieder, heilig Licht!
Tauf’ die Welt in deinen Gluten,
Lass in dumpfen Qualen nicht
Länger mehr die Menschheit bluten!

Wirf vernichtend deinen Blitz
„Wahrheit“ in des Truges Wolke,
Auf der Lüge Herrschersitz
Nah’ erlösend allem Volke!

Schleudre deines Feuers Strahl
In die Zwingburg freien Lebens!
Gib der Freiheit Sieg einmal
In dem Kampf des Völkerstrebens!

Lass der Nationen Streit
Sich im Geistessieg versöhnen,
In dem Sieg der Menschlichkeit
Und des Guten, Wahren, Schönen!

Liebe, die willkommen heißt
Auch den Bruder im Geringsten
Weck’ in uns: Dann, Menschengeist,
Feierst wahrhaft du die Pfingsten!

Vielblütige Weißwurz
Vielblütige Weißwurz
Foto: © Sieglinde Seiler
Die Vielblütige Weißwurz ist eine elegante Waldstaude. Von Mai bis Juni trägt sie glockenförmige, cremeweiße Blüten. An Pfingsten erklingt oft ein besonders feierliches, mehrstimmiges Geläut aller Glocken. Das Läuten symbolisiert die Freude über das Pfingstwunder.

Feuerzungen an Pfingsten
Feuerzungen an Pfingsten
Bild von Moondance auf Pixabay
Feuerzungen symbolisieren als Flammen über den Häuptern die Kraft, Energie und Begeisterung des Heiligen Geistes, der Mut verleiht, Sprachbarrieren überwindet und als Geburtsstunde der Kirche gilt.

Pfingstlied

Autor: Gustav Falke

Pfingsten ist heut, und die Sonne scheint,
Und die Kirschen blühn, und die Seele meint,
Sie könne durch allen Rausch und Duft
Aufsteigen in die goldene Luft.

Jedes Herz in Freude steht,
Von neuem Geist frisch angeweht,
Und hoffnungsvoll aus Tür und Tor
Steckt’s einen grünen Zweig hervor.

Es ist im Fernen und im Nah’n
So ein himmlisches Weltbejah’n
In all dem Lieder- und Glockenklang,
Und die Kinder singen den Weg entlang.

Wissen die Kindlein auch zumeist
Noch nicht viel vom heiligen Geist,
Die Hauptsach spüren sie fein und rein:
Heut müssen wir fröhlichen Herzens sein.

Kirschzweig in voller Blüte
Kirschzweig in voller Blüte
Bild von ASSY auf Pixabay

Pfingstrose

Autor: Ferdinand von Saar

Verhaucht sein stärkstes Düften
Hat rings der bunte Flor,
Und leiser in den Lüften
Erschallt der Vögel Chor.

Des Frühlings reichstes Prangen
Fast ist es schon verblüht –
Die zeitig aufgegangen,
Die Rosen sind verblüht.

Doch leuchtend will entfalten
Päonie1 ihre Pracht,
Von hehren Pfingstgewalten
Im tiefsten angefacht.

Gleich einer späten Liebe,
Die lang in sich geruht,
Bricht sie mit mächtgem Triebe
Jetzt aus in Purpurglut.

1 Päonie → Päonia → Pfingstrose

Bunte Pfingstrosen
Bunte Pfingstrosen
Bild von Myléne auf Pixabay

Verirrt

Autorin: Sieglinde Seiler

Ein Priester einst in seiner Kirche stand,
noch am Beichtstuhl im Priestergewand
Pfingsten war es und ich sprach ihn an,
was denn die Taube hier suchen kann.

Erst schaute er, erblickte sie aber nicht.
Dann sah er der Taube graues Gesicht.
Tatsächlich saß sie nahe am Hochaltar,
eine Taube, die man hier noch nie sah.

Auf dem Holzkreuz saß sie ruhig bereit,
zum Abflug nach draußen, nach der Zeit.
Sie hatte sich – fast symbolisch - verirrt
und blickte stumm sitzend drein verwirrt.

Wir rätselten, warum die Taube da hockt
und wie man sie mit Erfolg ins Freie lockt.
Bei vielen geöffneten Fenstern und Türen
wird sie ihr Instinkt schon ins Freie führen.

© Pfingsten 2007 Sieglinde Seiler

Taube – Heiliger Geist
Taube – Heiliger Geist
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Wenn’s Pfingsten regnet

Autorin: Paula Dehmel

Oben aus dem Fahnenhaus
Guckt das schwarze Wettermännchen raus,
Spreizt die Beine und grinst uns an;
Schäme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
Hast du dem Fritze fest versprochen,
Dass zu Pfingsten, im Monat Mai,
Das allerschönste Wetter sei.
Und nun regnet’s, liebe Not,
Alle hellen Blüten tot,
Sie liegen da wie nasser Schnee,
Auf den Wegen steht See an See;
Ja, wenn wir schon drinnen baden könnten,
Wie die Spatzen oder die Enten!
Wir dürfen aber gar nicht raus,
Sehn so mucksch wie Maulwürfe aus;
Röch nicht der Kuchen so lecker her,
Wüßt man gar nicht, dass Feiertag wär.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Schäme dich, schwarzer Wettermann!

Ameisen auf einer Pfingstrose
Ameisen auf einer Pfingstrose
Bild von Alexa auf Pixabay